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Versus: von 1n0ut (Robert Praxmarer/Reinhold Bidner, AT)
In einer
Breakdance Battle Performance Mensch gegen Maschine werden künstlerische
und wissenschaftliche Positionen im Bereich Digital Performance und Artificial
Life erörtert. Ein realer Performer tritt gegen seinen virtuellen
Counterpart an, beide lernen und adaptieren. Ein performatives Experiment,
das Grenzen, Möglichkeiten, Risken und Chancen im ewigen Kampf zwischen
Mensch und Maschine auslotet. Das Konzept VERSUS ist Preisträger
der Ausschreibung Podium09
des Landes Salzburg.
Der Mensch
träumte oftmals davon eine Maschine zu erschaffen, die ihn in seinen
Fähigkeiten übertreffe. Mit dem Computer wurde das in vielen
Bereichen Wirklichkeit. Der amtierende Schachweltmeister kommt nicht mehr
aus Russland, sondern aus dem Silicon Valley. Dennoch gibt es viele Dinge,
die Computer nicht, oder noch nicht besser können, Tanzen gehört
wohl definitiv dazu. Nichts desto trotz ist es unsere Idee, menschliche
Performer in Form von Break Dance Choreographien gegen einen Computer
antreten zu lassen.
Was bedeutet es, mit einem teils autonomen virtuellen Charakter zu interagieren bzw. zu improvisieren. Machen solche Ansätze den menschlichen Performer obsolet, oder entstehen an diesem Punkt neue Formen von Kunst? Was bedeutet es, seine eigenen Muster (Mimik, Bewegungen) wie in einem Zerrspiegel zurückgeworfen zu bekommen. Die Bewegungen ähneln sich und andererseits doch nicht, da sie neu zusammengesetzt werden, was passiert an dieser Schnittstelle, kann ein Algorithmus Kreativität vortäuschen, in dem er menschliche Muster in kleinste Teile schneidet und diese zur Musik wieder neu synthetisiert. In der Musikindustrie und auch der Bildenden Kunst ist Sampling nicht mehr wegzudenken, d.h. aus kleinen kreativen Versatzstücken (Melodien, Textzeilen, Bildausschnitten) wieder etwas neues zusammenzusetzen (Prinzip der Collage), im Tanz oder Theater gibt es solche Ansätze weniger, geschweige denn, daß die Entscheidung über das Collagieren einem Computer überlassen wird.
Die Idee, ein Konzept zu erarbeiten, das Break Dance mit Medienkunst verbindet, ist auf natürlichem Wege gewachsen. Einerseits durch das Experimentieren mit unserer Software (Live-Video -scratching und -sampling), andererseits durch den Umstand, dass wir uns seit jeher darüber Gedanken machen, wie man Spontaneität und "Seele" in die Computerkunst übertragen kann, was unserer Ansicht nach am besten unter der Miteinbeziehung von menschlichen Darstellern, menschlichen Bewegungen und im Rahmen von Live-Performances funktioniert. Und gerade auch bei Breakdance Performances geht es um Live-Energien und den Umstand, den Körper als Medium des Ausdrucks und als kreatives Instrument einzusetzen, das man durch Training und Hingabe in seinem kreativen Potential erweitern kann. Im Rahmen unserer
Recherchen haben wir darüberhinaus entdeckt, dass die beiden Disziplinen
(Urban Dance und Computerkunst) gar nicht immer so weit von einander entfernt
sind: Einerseits geht es auch uns (mit unseren Möglichkeiten) um
die rhythmische Übereinstimmung zur Musik, andererseits haben sich
Beweguns-Merkmale des Urban Dance immer wieder aufgrund von Einflüssen
aus Robotik, Animation, Film und Computerkunst heraus entwickelt: "Locking"
(roboterartige, extrem kontrollierte Bewegungen), "Popping"
(stroboskopartige, "ferngesteuerte" Mikropulsationen), und Stop
Motion Techniken seien in diesem Zusammenhang kurz erwähnt. |